Frage:  Was haben       $  $  $  $       und       o  o  o  o   gemein?

Antwort:  4.

Was auf den ersten Blick offensichtlich ist, muss es nicht unbedingt sein. Mein Freund Nik verbrachte ein Jahr in Japan, um an einer Uni in Tokio zu unterrichten. Ein Jahr, das ist lange genug, um sich zu bemühen Japanisch zu lernen. Aber diese Sprache hat so ein paar Eigenheiten. Normalerweise lernt ein Anfänger in einer Fremdsprache erst einmal das Zählen. Nicht so im Japanischen, dort gehören die Zahlen in die Lektionen für Fortgeschrittene!

Meistens liegt für 1, 2, 3, ... die normale Zählweise, also ichi, ni, san, yon, go,... zu Grunde oder aber die Kun-Lesung: hito, futa, mi, yo, .... Außerdem gibt es viele Ausnahmen und teilweise Alternativen. Schon 4 kann z.B. yon oder shi heißen, 9 kyu oder ku, beides erlaubt. Vor allem kommt es weniger auf die Zahlen selbst an als auf das, WAS gezählt wird:

  • lange dünne Gegenstände (Stift, Regenschirm, Flasche):   ippon, nibon, sanbon, ...
  • flache Gegenstände (Ticket, Blatt):   ichi-mai, nimai, sanmai, ...
  • Stockwerke:   ikkai, nikai, sankai, ...
  • Monate:   ichi-gatsu, ni-gatsu, san-gatsu, ...
  • Tage im Monat:   tsuitachi, futsuka, mikka, yokka, ...
  • Personen:   hitari, futari, san-nin, yon-nin, ...
  • Flüssigkeit, abgefüllt (Bier vom Fass):   hitotsu, futatsu, mittsu, yotsu, ...

Vielleicht ist das ein Relikt aus einer lang vergangenen Epoche, als man noch keine abstrakte Vorstellung des Konzepts der Zahlen hatte. Denn Zählen ohne darauf zu achten, was man zählt, ist nicht etwas, was wir als Kinder erfinden, nein wir haben es gelernt. Es ist nämlich, wie auch die Erfindung des Rades, eine kulturelle Errungenschaft; es genügt, wenn einmal ein Mensch auf diese einfache Idee kommt und damit die Menschheit bereichert.

Die Geschichte der Mathematik ist voll von solchen einfachen, aber wesentlichen Konzepten, deren Entdeckungen Jahrtausende brauchten — und heute von jedem Kind spielend erlernt werden...